medienethik

fehltritte in der medienlandschaft

Tag: wahl

wie war das mit der intimsphäre?

wie war das mit der intimsphäre?

mit diesem artikel über die sexuellen vorlieben eines politikers hat die bild gleich einen dreifachen treffer gelandet. dass sie damit gegen das moralische empfinden verstößt, ist eine sache. gleichzeitig missachtet die redaktion mit veröffentlichung dieses beitrags aber auch den pressekodex (ziffer 8 – schutz der persönlichkeit und ziffer 9 – schutz der ehre)  und vielmehr noch: sie verstößt gegen das gesetz. konkret: es handelt sich um einen verstoß gegen das allgemeine persönlichkeitsrecht, das die intimsphäre jedes (!) menschen schützt. 

moral im hinblick auf sex-sklavinnen hin oder her, was dieser herr für sexuelle bedürfnisse hat, hätte nun wirklich niemand aus der bild erfahren müssen. auch nicht zur wahlkampf-zeit.

 

twitter-ethik?

die gestern gesendete polizeiruf-folge war genial. und so blieb ich – weil es gerade so schön war – auch für herrn jauch und seine gäste auf dem sofa sitzen. das thema: “denkzettel statt stimmzettel”. es ging ums wählen oder nicht-wählen.

nun fallen mir keine (für mich vertretbaren) gründe ein nicht wählen zu gehen. genau aus diesem grund war ich äußerst gespannt auf die erläuterungen der nicht-wähler dieser runde: andrea hanna hünniger (journalistin/ autorin und nicht-wählerin) und gabor steingart (herausgeber handelsblatt und nicht-wähler).

plausible erklärungen blieben mir aber – meiner meinung nach – verwehrt. das finde ich schade, da ich noch immer nicht nachvollziehen kann, warum diese beiden – die ich für äußerst reflektiert halte – nicht wählen gehen. dennoch: ich werde wohl  mit ihrer einstellung leben müssen und können. ist es nicht bei diversen themenbereichen so? so kann ich vielleicht nicht nachvollziehen, dass jemand streng gläubiger katholik ist und ihn trotzdem als menschen so akzeptieren wie er eben ist?! manche scheinen das nicht tun zu können oder zu wollen. also speziell im falle hünniger. das geht zumindest aus den twitter-aktivitäten der zuschauer hervor.

ohne rücksicht wird auf die junge frau losgegangen. es ist von quoten-frau, werbefigur für haarspray und “von der mit den roten lippen” die rede. und das schon bevor sie sich überhaupt zu wort melden durfte. aber hatte sie es nicht schon schwer genug in einer reinen männerrunde, die mit herren besetzt war, die zum überwiegenden teil doppelt so alt sind wie die 28-jährige journalistin? wo bleibt da die empathie? zumindest von den weiblichen zuschauern? aber gerade die twitterten besonders harsch.

gut, wie bereits gesagt: ihren erklärungen für das nicht-wählen-gehen konnte ich auch nur schwer folgen. nachvollziehen konnte ich sie ganz und gar nicht. dennoch: ist das ein grund einen shitstorm loszutreten? hat denn niemand gesehen wie aufgeregt die gute war? und würde es den meisten von uns in dieser situation nicht genauso gehen? würden uns unsere argumente in dieser stresssituation sofort auf der zunge liegen?

liebe twitterer: ich weiß, es muss immer schnell gehen. aber versucht euch doch bitte mal für einen kurzen moment in die gefühlswelt der personen, über die ihr so gerne herzieht, hineinzuversetzen. nur ganz kurz. empathie nennt man das. und wenn ihr das mal hervorzaubern könntet,  wäre es ganz wunderbar. dann müsste ich mich nämlich nicht aufregen. danke.