Weil ihr mir Bauchschmerzen macht

Ich bin gerne Journalistin. Und sehr gerne bin ich das beim SWR, der Teil der ARD ist. Wäre mir mein Job egal, würde mir das eine Menge Magenschmerzen ersparen. Die bekomme ich in letzter Zeit aber fast täglich. Zum Beispiel immer dann, wenn ich Kommentare auf den SWR-Facebookseiten lese. Oder wenn ich mit Interviewpartnern spreche, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, die mir erzählen, dass sie jedes Mal Hass-Nachrichten bekommen, wenn sie sich in den Medien äußern. Oder wenn ich davon höre, dass sich eine Gruppe namens „Karlsruhe wehrt sich“ nächste Woche vor meinem Arbeitsplatz versammeln will, um gegen uns Journalisten zu demonstrieren. Und das so ankündigt:

„Wenn die Herrschenden nicht zum Volk kommen, gehen wir eben dorthin, wo sie sind. Schluss mit ungestörtem Lügenpresse-Funk, die Damen und Herren im SWR Funkhaus dürfen ruhig hören und sehen, dass das Deutsche Volk sich diesen Wahnsinn nicht länger gefallen lässt!“

Mit dabei: Ein bekannter PEGIDA-Redner, ein Blogger, der ganz offen gegen den Islam hetzt und eine ehemalige NPD-Spitzenkandidatin. Sie und noch einige andere wollen uns lautstark klar machen, dass wir für sie „Lügenpresse“ sind.

Liebe „Karlsruhe wehrt sich“-Menschen: Bei allem Verständnis für Sorgen, Ängste und Nöte, eure verstehe ich nicht. IHR lügt und provoziert. Nicht wir. Wir bedrohen nicht euch, IHR bedroht UNS. Mit all eurem Hass, den ich einfach nicht verstehen kann. Wir zensieren nicht euch. Ihr droht uns zu zensieren. Denn: Ihr macht mir Angst. Und damit bin ich sicher nicht alleine. Ich will nicht zulassen, dass uns diese Angst zensiert. Wenn wir euch zu Gespräch und Diskussion bitten, dann kommen die wenigsten von euch. Oft genug haben Kollegen das versucht. Ihr wollt nicht reden, aber werft uns vor euch nicht zu hören? Ich kann euch einfach nicht verstehen. Aber von euch will ich mir die Freude an meinem Job nicht kaputt machen lassen.