medienethik

fehltritte in der medienlandschaft

Tag: blog

post vom presserat

mitte september hatte ich mich über einen artikel  auf bild.de beim deutschen presserat beschwert. worum es ging, findet ihr hier. den artikel – der mittlerweile nicht mehr online ist – könnt ihr hier nachlesen. nun habe ich seit kurzem das ergebnis der prüfung meiner beschwerde: sie wurde abgelehnt.

an dieser stelle darf ich aus dem schreiben des presserats zitieren:

die zusammenfassung des falls:

“In dem Artikel wird über einen Politiker berichtet, der Direktkandidat der FDP für den bayerischen Landtag ist. Er betreibe auf dem Online-Sexportal Sklavenzentrale.com unter einem Pseudonym ein Profil. Dort beschreibe er sich als dominant und sadistisch. Seine Frau, die Schatzmeisterin des FDP-Kreisverbandes, sei ebenfalls in dem Forum angemeldet und werde dort von ihm als sein Eigentum bezeichnet. Dem Artikel ist ein Foto beigestellt, das den Betroffenen neben einem Andreaskreuz zeigt. Es stamme aus seinem Profil auf dem für jedermann zugänglichen Fetischportal. Weiterhin  enthält der Artikel ein Foto des Wahlplakats, mit dem der Politiker für sich wirbt. Der Betroffene kommt in dem Artikel zu Wort und gibt an, er sei davon ausgegangen, dass es sich bei diesem Portal um eine interne Community handele und die Inhalte nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien.”

das ist soweit alles korrekt, dass das ganze allerdings kurz vor der landtagswahl stattfand, hat laut presserat wohl keinerlei bedeutung und wird hier nicht aufgeführt. meine beschwerde stützte sich auf die ziffern 8 und 9 des pressekodex, die hier kurz erläutert werden:

ziffer 8 – schutz der persönlichkeit

“Die Presse achtet das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung. Ist aber sein Verhalten von öffentlichem Interesse, so kann es in der Presse erörtert werden. Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. (…)”

ziffer 9 – schutz der ehre

“Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.”

das fazit des presserats:

“Eine identifizierbar machende Berichterstattung war im vorliegenden Fall gerechtfertigt. Bei Politikern, die sich um ein öffentliches Amt oder Mandat bewerben, besteht grundsätzlich ein gesteigertes öffentliches Interesse auch an ihrem Privatleben. Zwar handelt es sich bei den im Text dargestellten Inhalten des Profils um Angaben, die die Sexualität betreffen und damit grundsätzlich in die Intimsphäre fallen. Bei der Abwägung zwischen de öffentlichen Interesse an der Berichterstattung und den schutzwürdigen Interessen des Betroffenen fällt aber entscheidend ins Gewicht, dass er die Angaben in ein öffentlich zugängliches Internetprofil eingestellt und dort auch ein Foto von sich veröffentlich hat. Damit hat er selbst Teile seines Intimlebens in die Öffentlichkeit getragen und sich für einen erweiterten Personenkreis erkennbar gemacht.”

mein fazit:

gerade weil der artikel so kurz vor der wahl veröffentlicht wurde (worauf der presserat trotz meines hinweises gar nicht eingegangen ist), kann ich die vermutung, dass sich ein journalist hier für  die zwecke eines anderen politikers hat einspannen lassen, einfach nicht leugnen. außerdem gehe ich noch immer – wie auch in der präambel des deutschen presserats geschrieben steht – davon aus: “Von der Recherche über Redaktion, Veröffentlichung, Dokumentation bis hin zur Archivierung dieser Daten achtet die Presse das Privatleben, die Intimsphäre und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Menschen”.

blog “münchen kotzt”

ob man journalistische ethik-standarts auf blogs anwenden kann – darüber lässt sich streiten. ein gewisser moralischer standard sollte aber auch hier – wie in jeder art der kommunikation – gegeben sein.

einen blog zu unterhalten, der sich allein aus dem (selbstverschuldeten) leid der gezeigten speist, ist in meinen augen eine sehr heikle sache. vor allem dann, wenn die gezeigten personen dadurch ein stück würde verlieren. denn das tun sie in diesem fall trotz “unkenntlichmachung”. für freunde, bekannte und familie bleiben sie eindeutig erkennbar.

auch rechtlich dürfte das veröffentlichen dieser bilder nicht ganz unproblematisch sein, wie sich aus der folgenden erläuterung der anwaltskanzlei

reichhardt & schlotz

auf der seite http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/recht-am-eigenen-bild.html schließen lässt:

“Normale Menschen aber dürfen in normalen Situationen in der Regel immer Fotos machen. Ausnahmen:

  • Bei Eingriffen in die Intimsphäre ist das Fotografieren nicht erlaubt (siehe der bereits erwähnte § 201a StGB)
  • auch nicht in solchen Momenten, in denen durch eine Fotografie die Menschenwürde des Abgelichteten verletzt wird
  • oder wo jede denkbare Veröffentlichung oder Verbreitung von vorneherein ohne Einwilligung der fotografierten Person unzulässig wäre.”

der springende punkt ist sicherlich, ob die menschenwürde der gezeigten nun verletzt wird oder nicht. in meinen augen wird sie das. auch, wenn der großteil der abgelichteten an seinem zustand wohl selbst schuld trägt.