Der Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Eine Einschätzung Teil 3

by Mirjam Wörnle

In dem Beitrag “Der ultimative Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Teil 3: Öffentlich-rechtliche Sender” sind auch Talksendungen Thema. Der Vorwurf hier:

“Die Diskussionen werden nach dem gewünschten Narrativ zurechtgebogen. Gegenstimmen zum Mainstream kommen meist nur knapp zu Wort oder werden gezielt verächtlich gemacht, wie es bei der semi-politischen Talk-Show Markus Lanz der Fall war, als im Januar 2014 die Politikerin Sahra Wagenknecht (Die Linke) zu Gast war: (…)”

Dass der Umgang von Markus Lanz mit Sarah Wagenknecht in diesem Talk nicht in Ordnung war, darüber waren sich sehr viele Menschen in Deutschland einig. Und tatsächlich habe auch ich immer wieder den Eindruck, dass in Talkshows häufig die gleichen Experten sitzen. Allerdings erkläre ich mir das nicht mit bösem oder manipulativem Willen der zuständigen Redaktion. Es ist schlicht und einfach unkomplizierter einen Experten einzuladen von dem man weiß, dass er vor laufender Kamera gut erklären kann, dass er ein entsprechendes Standig in seiner Fachgruppe hat,  und auch die Zeit und Möglichkeit besitzt unter der Woche abends in einer Talkshow zu sitzen. Auch das ist natürlich kritisch zu sehen und sollte uns alle zum Nachdenken anregen, hat aber – in meinen Augen – nichts damit zu tun, dass die Diskussionen “nach dem gewünschten Narrativ zurechtgebogen” werden sollen, wie RT Deutsch es hier darstellt.

“Das System der öffentlich-rechtlichen Sender wurde in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Vorbild der britischen BBC aufgebaut. Erklärtes Ziel war es, die “Demokratisierung der jungen Bundesrepublik zu fördern”. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stellt an sich den Anspruch der Staatsferne und der Unabhängigkeit. Aufgrund personeller Verquickungen der medialen und politischen Elite sowie mittels der Einflussnahme durch Netzwerke und Interessenverbände erscheint der Anspruch jedoch kaum einlösbar.”

Als Beleg für diese These wird dann die Tätigkeit Steffen Seiberts als Regierungssprecher herangezogen und dargelegt, dass der Einfluss der Politik auf die Berichterstattung wegen Rundfunkrat und Co. zu hoch sei. Dazu kann ich (aus meiner persönlichen Erfahrung heraus) nur sagen: RT Deutsch ist wohl ein eher kleines Medienunternehmen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Geschäftsführer Ivan Rodionov sich in das redaktionelle Alltagsgeschäft einmischt (daher vielleicht die Vorstellung der RT Deutsch Redaktionsmitglieder). Dass aber Mitglieder des Rundfunkrats regelmäßig Einfluss auf die tagesaktuelle Berichterstattung nehmen, ist rein organisatorisch gar nicht möglich, würde ich behaupten. Daher müssten also alle Mitarbeiter im Vorfeld nach einer bestimmten Linie gebrieft werden. Und das habe ich weder während meiner Zeit beim ZDF, noch beim BR oder SWR bisher erlebt. Dabei möchte ich nicht bestreiten, dass unter anderem Politiker sehr wohl versuchen Einfluss zu nehmen. Zum Beispiel als CSU-Parteisprecher Strepp beim ZDF anrief, um einen Bericht über die Bayern SPD zu verhindern. Das ZDF wehrte sich mit allen Mitteln.

 

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