Der Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Eine Einschätzung Teil 1

by Mirjam Wörnle

“Die Medienlandschaft in Deutschland gilt unter vielen Beobachtern immer noch als objektiv und unabhängig. Doch ein analytischer Blick auf die großen deutschen Medien legt deren Interessenverstrickungen und Abhängigkeiten offen. In einer fünfteiligen Serie bringt RT Deutsch nun Licht ins Dunkel.” 

So beginnen die Texte der fünfteiligen Serie von RT Deutsch über die Medienlandschaft in Deutschland. Dem Leser wird suggeriert: Die Medienlandschaft in Deutschland ist nicht unabhängig und objektiv. Und: Hier zeigt mir jemand (ein von der russischen Regierung finanziertes Medium – was RT Deutsch in der eigenen Beschreibung auch gerne mal unerwähnt lässt) den analytischen Blick auf diese “Szene” und bringt mir die Wahrheit darüber näher.

Was ich mir als Journalist denke: RT Deutsch steckt tatsächlich ziemlich viel Energie in den Versuch die Medien in Deutschland in Misskredit zu bringen (und mit meiner Skepsis bin ich nicht allein, wie dieser Kommentar des DJV zeigt). Weil mich aber tatsächlich interessiert was RT Deutsch über Springer, Spiegel und die öffentlich-rechtlichen Medien zu erzählen hat, habe ich weitergelesen. Meine Gedanken zu einigen Passagen des RT Deutsch Textes zu den öffentlich-rechtlichen Medien (übrigens hier zu finden), habe ich in diesem und den folgenden Artikeln aufgeschrieben. Zitate sind kursiv geschrieben. Es handelt sich um kommentierte Auszüge, der Text wird nicht vollständig wiedergegeben.

In dem Beitrag heißt es unter anderem über die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland:

“Politische Ausrichtung: Das politische Programm bekennt sich klar zum etablierten Parteien-System, dem transatlantischen Bündnis und offenbart Regierungsnähe, indem es der “deutschen Staatsräson” folgt, die beispielsweise Kritik an der Politik der EU, der NATO oder an Israel weitestgehend vermeidet. Einzelne kritische Inseln sind die WDR-Sendung Monitor und die ZDF-Satire-Sendung Die Anstalt.”

Woher die Redaktion von RT Deutsch diese Informationen nimmt, ist mir leider nicht klar geworden. Ist das die Wahrnehmung der Redaktion (dann müsste sie nach journalistischen Standards als solche benannt werden) oder steht das irgendwo geschrieben (falls ja, bitte Infos dazu in den Kommentaren lassen)? Ich habe nichts dazu gefunden. Dafür aber das hier. Im Rundfunkstaatsvertrag steht in §11 geschrieben:

(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.

(2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Damit lässt sich zeigen, dass es offiziell Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien ist die europäische Integration zu fördern, mehr aber auch nicht.

Außerdem gibt die Redaktion vor das gesamte Programm der öffentlich-rechtlichen zu kennen, wenn geschrieben wird, “Monitor” und “Die Anstalt” seien die einzigen kritischen/ investigativen Formate. Sie kennt es aber offensichtlich nicht, denn es gibt weit mehr dieser Sendungen. Betrachtet man allein die Magazine “kontrovers”, “quer” und “Zur Sache” von BR und SWR (um beim Fernsehen zu bleiben), sind es schon mehr als doppelt so viele.

Hier geht es zum nächsten Teil.