medienethik

fehltritte in der medienlandschaft

Der Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Eine Einschätzung Teil 4

Auch zu lesen im Text über die “Mainstreammedien” von RT Deutsch:

Der Medienwatchblog Propagandaschau deckt ebenfalls täglich Manipulationen und Desinformation in den deutschen Medien auf. Obwohl sich der Watchdog mit der gesamten deutschen Medienlandschaft beschäftigt, nimmt die öffentlich-rechtliche Berichterstattung hier einen auffällig großen Raum ein.”

Interessantes über den Blog ist in einem Artikel der FAZ zu lesen. Die “Propagandaschau” ist ein Blog, der gerne mit Überschriften wie “ARD-Presstitution: Kai Küstners Blowjob für NATO-Chef Stoltenberg” polarisiert oder über die öffentlich-rechtlichen Sender schreibt: “Die mit Milliarden Euro Zwangsgebühren gemästeten Staats­sender ARD, DLF und ZDF sind zu Futtertrögen oppor­tu­nis­ti­scher Egoisten degeneriert, in denen nur jene Charaktäre dauerhaft Geld abgreifen und Karriere machen können, die rücksichtslos Propaganda im Sinne des Staates verbreiten und dabei buchstäblich, wörtlich und täglich über Leichen gehen. Wahrhaftigkeit und Empathie werden ausgesiebt; im System verbleiben Duckmäuser und Opportunisten – Soziopathen schaffen es nach oben.” (Quelle: www.propagandaschau.wordpress.com)

Und dann geht es in dem RT Deutsch Beitrag noch um die eigenen Streitigkeiten mit ARD und ZDF:

“RT Deutsch wurde bereits in zahlreichen Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten negativ erwähnt. Etwa in der Satire-Sendung heute-show oder dem Medien-Magazin ZAPP. Bereits die erste Sendung des Fehlenden Parts berichtete von einem unangemeldeten Besuch eines ZAPP-Kamerateams, der für die NDR-Vertreter mit einem peinlichen Lapsus endete. Daraufhin versuchte die ZAPP-Redaktion eine Art Fehde gegen RT Deutsch auszutragen.”

Wer hier wen zuerst mit dem Schäuffelchen gehauen hat, ist mittlerweile wahrscheinlich schwer zu sagen. Dass RT Deutsch aber auch nicht positiv über die öffentlich-rechtlichen Medien spricht, haben sie allerspätestes mit diesem Beitrag bewiesen.

Hier geht es zu Teil 1.

Der Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Eine Einschätzung Teil 3

In dem Beitrag “Der ultimative Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Teil 3: Öffentlich-rechtliche Sender” sind auch Talksendungen Thema. Der Vorwurf hier:

“Die Diskussionen werden nach dem gewünschten Narrativ zurechtgebogen. Gegenstimmen zum Mainstream kommen meist nur knapp zu Wort oder werden gezielt verächtlich gemacht, wie es bei der semi-politischen Talk-Show Markus Lanz der Fall war, als im Januar 2014 die Politikerin Sahra Wagenknecht (Die Linke) zu Gast war: (…)”

Dass der Umgang von Markus Lanz mit Sarah Wagenknecht in diesem Talk nicht in Ordnung war, darüber waren sich sehr viele Menschen in Deutschland einig. Und tatsächlich habe auch ich immer wieder den Eindruck, dass in Talkshows häufig die gleichen Experten sitzen. Allerdings erkläre ich mir das nicht mit bösem oder manipulativem Willen der zuständigen Redaktion. Es ist schlicht und einfach unkomplizierter einen Experten einzuladen von dem man weiß, dass er vor laufender Kamera gut erklären kann, dass er ein entsprechendes Standig in seiner Fachgruppe hat,  und auch die Zeit und Möglichkeit besitzt unter der Woche abends in einer Talkshow zu sitzen. Auch das ist natürlich kritisch zu sehen und sollte uns alle zum Nachdenken anregen, hat aber – in meinen Augen – nichts damit zu tun, dass die Diskussionen “nach dem gewünschten Narrativ zurechtgebogen” werden sollen, wie RT Deutsch es hier darstellt.

“Das System der öffentlich-rechtlichen Sender wurde in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Vorbild der britischen BBC aufgebaut. Erklärtes Ziel war es, die “Demokratisierung der jungen Bundesrepublik zu fördern”. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stellt an sich den Anspruch der Staatsferne und der Unabhängigkeit. Aufgrund personeller Verquickungen der medialen und politischen Elite sowie mittels der Einflussnahme durch Netzwerke und Interessenverbände erscheint der Anspruch jedoch kaum einlösbar.”

Als Beleg für diese These wird dann die Tätigkeit Steffen Seiberts als Regierungssprecher herangezogen und dargelegt, dass der Einfluss der Politik auf die Berichterstattung wegen Rundfunkrat und Co. zu hoch sei. Dazu kann ich (aus meiner persönlichen Erfahrung heraus) nur sagen: RT Deutsch ist wohl ein eher kleines Medienunternehmen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Geschäftsführer Ivan Rodionov sich in das redaktionelle Alltagsgeschäft einmischt (daher vielleicht die Vorstellung der RT Deutsch Redaktionsmitglieder). Dass aber Mitglieder des Rundfunkrats regelmäßig Einfluss auf die tagesaktuelle Berichterstattung nehmen, ist rein organisatorisch gar nicht möglich, würde ich behaupten. Daher müssten also alle Mitarbeiter im Vorfeld nach einer bestimmten Linie gebrieft werden. Und das habe ich weder während meiner Zeit beim ZDF, noch beim BR oder SWR bisher erlebt. Dabei möchte ich nicht bestreiten, dass unter anderem Politiker sehr wohl versuchen Einfluss zu nehmen. Zum Beispiel als CSU-Parteisprecher Strepp beim ZDF anrief, um einen Bericht über die Bayern SPD zu verhindern. Das ZDF wehrte sich mit allen Mitteln.

 

Hier geht es zum nächsten Teil.

Der Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Eine Einschätzung Teil 2

In dem Artikel von RT Deutsch geht es weiter mit dem Punkt “Wissenswertes”. Da der sehr lang ist, habe ich nur einzelne Stellen herausgegriffen.

“Mit einem jährlichen Gesamtbudget von rund 8,3 Milliarden Euro gehören die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu den größten Akteuren der deutschen Medienlandschaft. Die Finanzierung erfolgt durch einen höchst unpopulären Pflichtbeitrag, der aktuell bei 17,50 Euro pro Haushalt und Monat liegt. Bei der intransparenten Nutzung des Geldes kommt es immer wieder zu Korruptions- und Missbrauchsvorwürfen, insbesondere in Bezug auf ein eng verflochtenes Netz von Beteiligungs- und Produktionsgesellschaften im Umfeld der Sendeanstalten, die sich gegenseitig mit Aufträgen versorgen.”

Sicherlich gibt es in Deutschland einige, die keine Freunde des Rundfunkbeitrags sind. Ihn als “höchst unpopulär” zu bezeichnen, scheint mir persönlich allerdings etwas übertrieben. Tatsächlich muss man aber sagen, dass mehr Transparenz bei den öffentlich-rechtlichen Medien definitiv zu wünschen wäre. Interessant ist an diesem Abschnitt allerdings, dass die RT Deutsch Redakteure ihre Thesen mit Artikeln von Medien zu belegen versuchen, die sie selbst ebenfalls als “Mainstreammedien” bezeichnen (Focus, SZ, FAZ, siehe Links – Tageszeitungen sollen in Teil 5 der Reihe “Der ultimative Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch” betrachtet werden). Womit sich nunmal auch zeigt, dass die Medien in Deutschland sehr wohl kritisch über einander berichten.

“Die ARD Tagesschau und ZDF heute gelten als einflussreichste politische Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen, mussten in den vergangenen Jahrzehnten jedoch stetige Zuschauerrückgänge verkraften. Zwischen 1992 und 2015 fiel die Zuschauerzahl der Tagesschau von rund 8,3 Millionen auf zirka 5 Millionen, die von ZDF heute von 7 Millionen auf knapp 3,5 Millionen.”

Was RT Deutsch hier verschweigt (anders als der Spiegel Online Artikel, auf den sie sich berufen): Auch die Nachrichtensendungen der Privaten verlieren Zuschauer. Einer der Gründe hierfür ist womöglich schlicht und ergreifend die Abwanderung des Publikums ins Internet.

Hier geht es zum nächsten Teil.

Der Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch – Eine Einschätzung Teil 1

“Die Medienlandschaft in Deutschland gilt unter vielen Beobachtern immer noch als objektiv und unabhängig. Doch ein analytischer Blick auf die großen deutschen Medien legt deren Interessenverstrickungen und Abhängigkeiten offen. In einer fünfteiligen Serie bringt RT Deutsch nun Licht ins Dunkel.” 

So beginnen die Texte der fünfteiligen Serie von RT Deutsch über die Medienlandschaft in Deutschland. Dem Leser wird suggeriert: Die Medienlandschaft in Deutschland ist nicht unabhängig und objektiv. Und: Hier zeigt mir jemand (ein von der russischen Regierung finanziertes Medium – was RT Deutsch in der eigenen Beschreibung auch gerne mal unerwähnt lässt) den analytischen Blick auf diese “Szene” und bringt mir die Wahrheit darüber näher.

Was ich mir als Journalist denke: RT Deutsch steckt tatsächlich ziemlich viel Energie in den Versuch die Medien in Deutschland in Misskredit zu bringen (und mit meiner Skepsis bin ich nicht allein, wie dieser Kommentar des DJV zeigt). Weil mich aber tatsächlich interessiert was RT Deutsch über Springer, Spiegel und die öffentlich-rechtlichen Medien zu erzählen hat, habe ich weitergelesen. Meine Gedanken zu einigen Passagen des RT Deutsch Textes zu den öffentlich-rechtlichen Medien (übrigens hier zu finden), habe ich in diesem und den folgenden Artikeln aufgeschrieben. Zitate sind kursiv geschrieben. Es handelt sich um kommentierte Auszüge, der Text wird nicht vollständig wiedergegeben.

In dem Beitrag heißt es unter anderem über die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland:

“Politische Ausrichtung: Das politische Programm bekennt sich klar zum etablierten Parteien-System, dem transatlantischen Bündnis und offenbart Regierungsnähe, indem es der “deutschen Staatsräson” folgt, die beispielsweise Kritik an der Politik der EU, der NATO oder an Israel weitestgehend vermeidet. Einzelne kritische Inseln sind die WDR-Sendung Monitor und die ZDF-Satire-Sendung Die Anstalt.”

Woher die Redaktion von RT Deutsch diese Informationen nimmt, ist mir leider nicht klar geworden. Ist das die Wahrnehmung der Redaktion (dann müsste sie nach journalistischen Standards als solche benannt werden) oder steht das irgendwo geschrieben (falls ja, bitte Infos dazu in den Kommentaren lassen)? Ich habe nichts dazu gefunden. Dafür aber das hier. Im Rundfunkstaatsvertrag steht in §11 geschrieben:

(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.

(2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Damit lässt sich zeigen, dass es offiziell Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien ist die europäische Integration zu fördern, mehr aber auch nicht.

Außerdem gibt die Redaktion vor das gesamte Programm der öffentlich-rechtlichen zu kennen, wenn geschrieben wird, “Monitor” und “Die Anstalt” seien die einzigen kritischen/ investigativen Formate. Sie kennt es aber offensichtlich nicht, denn es gibt weit mehr dieser Sendungen. Betrachtet man allein die Magazine “kontrovers”, “quer” und “Zur Sache” von BR und SWR (um beim Fernsehen zu bleiben), sind es schon mehr als doppelt so viele.

Hier geht es zum nächsten Teil.