Ist die Putin-Doku des ZDF ein Fake?

Es wird heftig diskutiert: Hat das ZDF bei der Doku “Machtmensch Putin” einen Interviewpartner bezahlt, damit er sich als freiwilliger Kämpfer der prorussischen Separatisten ausgibt? Das behauptet der russische Staatssender Rossija 1. In einem Interview, das auf dem Sender zu sehen war, behauptet dieser Interviewpartner, er wäre für falschen Aussagen vom deutschen Fernsehen bezahlt worden.

Sollte das so sein, wäre das natürlich ein Skandal. Sollte es nicht so sein, hat dieser Vorwurf dem ZDF  dennoch schon jetzt geschadet.

Ob nun das ZDF den jungen Mann für Aussagen bezahlt hat, oder der Staatssender Rossija 1, lässt sich aktuell wohl nicht so einfach belegen. Daher wird erst einmal jeder das glauben, was seinem Weltbild entspricht.

Das ZDF jedenfalls weist sämtliche Vorwürfe zurück (und veröffentlichte das Rohmaterial des Interviews). Der Sender sagt aber auch, dass die Aufnahmen an dem Kontrollposten, die vom russischen Fernsehen als Fake deklariert werden, von einem freien Producer gemacht wurden. In einem Artikel auf SZ.de wird erklärt, dieser Producer habe keinen guten Ruf, daher arbeite das ZDF-Studio in Moskau eigentlich nicht mehr mit ihm zusammen. Einer der Filmemacher habe aber noch aus seiner Zeit als Korrespondent ein gutes Verhältnis zu ihm, daher die Zusammenarbeit für die Dokumentation. Eben dieser Produzent ist in einer Sequenz zu sehen, in der er laut dem russischen Staatssender Rossija 1 dem Interviewpartner zeigt wie dieser vor der Kamera mit einem Maschinengewehr zu laufen habe. Wie diese Aufnahme entstand, ist unklar. Laut dem russischen Staatssender ist sie Teil des Rohmaterials der Dokumentation. Der Produzent war für das ZDF seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe nicht mehr erreichbar (Quelle: SZ.de). Was aber in jedem Fall unwahrscheinlich ist: Dass der Interviewpartner dieses Rohmaterial von dem Producer erhalten hat (wie es bei Rossija 1 behauptet wird). Erstens widerspricht das der gängigen Praxis bei der Produktion von Fernsehbeiträgen, zweitens hätte den Machern die Brisanz der Aufnahmen klar sein müssen, was sie wohl kaum dazu gebracht hätte die Aufnahmen in fremde Hände zu geben.

Grundsätzlich stellt sich außerdem die Frage, warum das ZDF (beziehungsweise der Producer) das Risiko eines Fake-Protagonisten hätte eingehen sollen, wenn sie vermutlich auch einen “Echten” hätten finden können. Denn die gibt es ja unbestritten, sagt mittlerweile auch der russische Präsident.