Warum nur, (liebe) Bild?

by Mirjam Wörnle

Das frage ich mich, wenn ich höre, dass Journalisten der größten deutschen Boulevardzeitung wohl bewusst Aussagen so verdrehen, wie es ihnen gerade in den Kram/Artikel passt. Das befeuert die großteils absurden Vorverurteilungen von Verschwörungstheoretikern, Pegida-Anhängern und Co. Also warum nur, (liebe) Bild?

http://www.bildblog.de/62469/vom-untergang-des-abendlandes-kann-bild-ein-liedchen-singen/

Und warum wurde das von so vielen anderen Medien übernommen? Der Journalist Daniel Bröckerhoff hat darauf in einem Kommentar auf seiner Facebookseite eine durchaus plausible Antwort gegeben:

“Man hat wenig Zeit, das ist der Hauptgrund. Die Artikel sollen schnell fertig werden, weil man ja im Wettbewerb mit anderen steht und alle wollen Erster sein. Außerdem müssen noch andere Artikel geschrieben oder aktualisiert werden. Nachrichten machen, besonders online, ist sehr stressig. Man verlässt sich daher dabei viel auf Agenturen und andere Medien. “Wird schon stimmen”, ist der Grundtenor. Es kann ja sein, dass Journalisten Nouripour angefragt haben, aber er nicht erreichbar war. Dann warten, bis er bestätigt, was die Bild schon gedruckt hat? Wozu? “Die Aussage ist doch in der Welt und wird schon stimmen.” So in etwa die Logik. Nicht alle arbeiten so. Aber wenn du unter permanentem Druck stehst, musst Du halt gucken, dass Du ökonomisch mit deiner Zeit umgehst. Und mit viel Personal sind ja auch nur wenige Redaktionen gesegnet, so dass man Zeit hätte umfassend zu recherchieren. Richtige Recherche ist teuer und dauert. Und das können/wollen nicht viele bezahlen.”

Wer schon einmal in einer tagesaktuellen Redaktion gearbeitet hat, kann das nachvollziehen. Aber wenn “Vertrauen und Glaubwürdigkeit (…) die Substanz des Journalismus” ist, wie Heribert Prantl es so treffend formuliert, dann muss sich an dieser Arbeitsweise etwas ändern. Sonst zerstören Medienschaffende selbst die Basis für ihre Arbeit.