medienethik

fehltritte in der medienlandschaft

Month: February, 2014

Schutz der Persönlichkeit

Gestern bin ich auf folgenden Artikel in der Online-Ausgabe des Hohenloher Tagblatts gestoßen:

http://www.swp.de/crailsheim/lokales/crailsheim/Mit-Whisky-bis-zum-Blackout-Falk-21-kommt-seit-acht-Jahren-nicht-vom-Alkohol-weg;art5507,2464378

In diesem Artikel wird die Geschichte von Falk erzählt. Falk ist 21 und hat seit 13 Jahren massive Drogenprobleme, möchte sich aber nun in eine Therapie begeben. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde (wie mir die Redaktion auf Anfrage mitgeteilt hat) der Nachname von Falk nicht genannt. Es gibt allerdings ein Foto von Falk, auf dem er eindeutig zu erkennen ist.

Da mir nicht ganz klar war, warum sich die Redaktion entschieden hat dieses Foto zu veröffentlichen, habe ich nachgefragt. Die Antwort: Falk hat der Veröffentlichung zugestimmt. Das ist zwar nicht die Antwort auf die Frage, aber dennoch interessant. Hätte er es nämlich nicht, hätte die Redaktion ein massives rechtliches Problem.

Nun frage ich mich, wie in diesem Fall mit Ziffer 8 des Pressekodex (Schutz der Persönlichkeit) umzugehen ist:

“(…)Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. Soweit eine Anonymisierung geboten ist, muss sie wirksam sein. (…)”

Denn auch, wenn Falk dem Foto zugestimmt hat, wäre sein “schutzwürdiges Interesse” wohl seine Anonymität. Und das würde überwiegen, denn das Foto hat hier (anders als zum Beispiel in einer TV-Reportage) keinen “Mehrwert”, es gibt also kein “überwiegendes Informationsinteresse” des Lesers an dem Bild des Betroffenen.

Weiterhin verliert die versuchte Anonymisierung (der Nachname wurde extra nicht genannt) ihre Wirksamkeit durch das Foto vollständig.

Rechtlich gesehen, ist das Abbilden des Fotos sicherlich nicht problematisch, moralisch aber schon.

Video “Das gute digitale Leben”

Jeden Tag verbringen wir viel Zeit im Netz. Daher überträgt sich auch die Frage des guten Lebens auf diesen Bereich. Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel  hat versucht eine Antwort auf die Frage nach dem guten digitalen Leben zu geben:

Kennzeichnungspflicht? Vielleicht keine schlechte Idee…

http://www.sueddeutsche.de/medien/scripted-reality-echt-nicht-wahr-1.1884858