medienethik

fehltritte in der medienlandschaft

Month: September, 2013

blog “münchen kotzt”

ob man journalistische ethik-standarts auf blogs anwenden kann – darüber lässt sich streiten. ein gewisser moralischer standard sollte aber auch hier – wie in jeder art der kommunikation – gegeben sein.

einen blog zu unterhalten, der sich allein aus dem (selbstverschuldeten) leid der gezeigten speist, ist in meinen augen eine sehr heikle sache. vor allem dann, wenn die gezeigten personen dadurch ein stück würde verlieren. denn das tun sie in diesem fall trotz “unkenntlichmachung”. für freunde, bekannte und familie bleiben sie eindeutig erkennbar.

auch rechtlich dürfte das veröffentlichen dieser bilder nicht ganz unproblematisch sein, wie sich aus der folgenden erläuterung der anwaltskanzlei

reichhardt & schlotz

auf der seite http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/recht-am-eigenen-bild.html schließen lässt:

“Normale Menschen aber dürfen in normalen Situationen in der Regel immer Fotos machen. Ausnahmen:

  • Bei Eingriffen in die Intimsphäre ist das Fotografieren nicht erlaubt (siehe der bereits erwähnte § 201a StGB)
  • auch nicht in solchen Momenten, in denen durch eine Fotografie die Menschenwürde des Abgelichteten verletzt wird
  • oder wo jede denkbare Veröffentlichung oder Verbreitung von vorneherein ohne Einwilligung der fotografierten Person unzulässig wäre.”

der springende punkt ist sicherlich, ob die menschenwürde der gezeigten nun verletzt wird oder nicht. in meinen augen wird sie das. auch, wenn der großteil der abgelichteten an seinem zustand wohl selbst schuld trägt.

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wie war das mit der intimsphäre?

wie war das mit der intimsphäre?

mit diesem artikel über die sexuellen vorlieben eines politikers hat die bild gleich einen dreifachen treffer gelandet. dass sie damit gegen das moralische empfinden verstößt, ist eine sache. gleichzeitig missachtet die redaktion mit veröffentlichung dieses beitrags aber auch den pressekodex (ziffer 8 – schutz der persönlichkeit und ziffer 9 – schutz der ehre)  und vielmehr noch: sie verstößt gegen das gesetz. konkret: es handelt sich um einen verstoß gegen das allgemeine persönlichkeitsrecht, das die intimsphäre jedes (!) menschen schützt. 

moral im hinblick auf sex-sklavinnen hin oder her, was dieser herr für sexuelle bedürfnisse hat, hätte nun wirklich niemand aus der bild erfahren müssen. auch nicht zur wahlkampf-zeit.